GULU

Leben zwischen Albtraum und Zukunft

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Rückblende: Norduganda um die Jahrtausendwende. Seit Jahren führt die «Lord's Resistance Army» einen Krieg gegendas Regime in der südlich gelegenen Hauptstadt Kempala. Einen Krieg gegen Zivilisten. Gegen Dörfer. Gegen dieMenschlichkeit. Bis 2006 ziehen im Schutz der Dunkelheit jeden Abend Tausende von Kindern aus den umliegenden Gebieten in die von NGOs beschützten Zelte der Stadt Gulu.

Warum? Um zu schlafen. In Sicherheit. Denn Sicherheit gibt es in Norduganda für Kinder längst nicht mehr. Von 1986 bis 2006 werden über 30'000 nordugandische Kinder entführt, so Human Rights Watch; auf der Strasse, nachts aus der Strohhütte, von der Schule weg. Sie heissen Samuel und Nora, Rebecca oder Jimmy. Und einmal entführt, gehört ihr Kinderleben nicht mehr ihnen, sondern der «Widerstandsarmee Gottes». Um als Kindersoldaten in einem gottlosen Krieg zu kämpfen.

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Sommer 2007, dröhnender Motorenlärm des Propellerflugzeug, unter der Maschine ziehe Steppen und Dschungel vorbei, der Pilot fliegt barfuss. African Style. Seit 2006 hat sich die Lage rund um die Stadt Gulu beruhigt. Doch die Reise führt dennoch in ein Land des Leids. Die Menschen lachen, grüssen uns mit einem «Hello» – doch die Trauer ist nicht weit.

Vier Fahrstunden von Gulu liegt das Lager «soundso». Tausende von Kindern leben hier, schlafen auf nackten Schaumstoffmatratzen, ihr Leben zerschlissen wie ihre T-Shirts, in ihren Blicken tausend Jahre Krieg. Denn auch sie ist da: die Hoffnung auf eine Zukunft. Die Hoffnung darauf, dass am Ende das Leben gewinnt.

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Heute, gut zehn Jahre nach dem Entstehen dieser Bilder, hat sich die Lage in Norduganda beruhigt. Teams von Psychologen kümmern sich um die Jugendlichen, um sie von ihren Alpträumen zu befreien. Eine Form von Alltag ist wieder eingekehrt. Die Lord's Liberation Army ist aus Uganda verschwunden. Doch sie kämpft weiter in den benachbarten Gebieten des Südsudans und der Demokratischen Republik Kongo. Und so bleiben Gulu und seine Kinder ein Mahnmal. Ein Mahnmal dafür, zu wie viel Leid die Menschheit fähig ist. Und ein Mahnmal dafür, dass es sich dennoch lohnt, an das Gute zu glauben. Denn «das Gute ist wie ein See», sagte einst eine alte Missionarin nach fünfzig Jahren im Kongo. «Du kannst einen Tropfen rausnehmen – oder einen Tropfen hineingeben.»

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